Camp - Handlungsrichtlinien
Lage „Grün“ — MeteoSchweiz-Stufe 1–2 (keine bis mässige Gefahr)
- Alle Abspannpunkte nutzen: Jedes Zelt wird an allen vom Hersteller vorgesehenen Abspannpunkten befestigt – auch die, die optional erscheinen. Heringe werden im 45°-Winkel eingeschlagen (auf weichem Boden) oder mit zusätzlichen Gewichten gesichert (auf hartem Untergrund). Zeltdach auf correcter Spannung prüfen – nicht durchhängend, aber auch nicht überdehnt.
- Sichere Zeltaufstellung: Zelte werden so ausgerichtet, dass die niedrigste/schmalste Seite dem Hauptwind zugewandt ist (wenig Angriffsfläche). Gruppenzelte mit grosser Dachfläche werden quer zur Hauptrichtung aufgestellt, damit der Wind über das Dach streicht und nicht gegen die Stirnseite drückt.
- Lose Gegenstände sichern: Tischdecken, leichtes Geschirr, Papier, Jutanen, Banner und freistehende Gegenstände werden beschwert oder bei Nichtgebrauch verstaut. Leicht zu erfassendes Material (Plastiksäcke, Folien) konsequent aufräumen.
- Baum- und Astkontrolle durchführen: Lagerleitung begutachtet Bäume in Zelt- und Aufenthaltsnähe auf Totholz, Risse und lose Äste. Bei Auffälligkeiten: Bereich räumen oder Gemeinde/Forstamt kontaktieren. Schlafplätze nicht unter grossen, alten Bäumen platzieren.
- Materialkontingent prüfen: Sturmleinen, Heringe, Reparaturmaterial und Werkzeug sind vollständig und zugänglich. Eine Person als „Zeltwart“ bestimmt, der regelmässig Abspannungen und Heringe kontrolliert (insbesondere nach stärkeren Böen).
Lage „Orange“ — MeteoSchweiz-Stufe 3–4 (erhebliche bis grosse Gefahr)
- Zelte doppelt abspannen und verstärken: An jedes Zelt werden zusätzliche Sturmleinen angebracht – mind. eine pro Seite und eine zusätzliche an der Windangriffsseite. Doppelte Abspannung mit zwei Heringen pro Leine (versetzt). Bei grossen Zelten: Spanngurte über das Zeltdach führen und am Boden verankern. Gestänge-Verbindungen prüfen und gegebenenfalls mit Schienen verstärken.
- Lose Gegenstände vollständig wegräumen: Alles, was der Wind erfassen kann, wird verstaut oder fest verzurrt. Pavillons und Sonnensegel werden abgebaut oder doppelt gesichert. Kochstelle und Küchenutensilien werden in Kisten verstaut. Trittbretter, Bänke und Tische umlegen oder beschweren.
- Aufenthalt im Freien einschränken: Bei Stufe 3: Aufenthalt in Zelten oder windgeschützten Bereichen. Bei Stufe 4: Niemand hält sich in grossen Zelten (Zeltzellendächer) oder unter Bäumen auf. Aktivitäten werden in windgeschützte Bereiche verlegt oder pausiert. Kinder und Jugendliche halten sich nicht in der Nähe von Zeltdächern oder losen Konstruktionen auf.
- Wache und Kontrollgänge einrichten: Nächtliche Kontrollgänge (alle 1–2 Stunden) zur Überprüfung der Abspannungen. Zeltwart kontrolliert Heringe (können sich lockern), Leinenspannung und Gestänge. Bei locker werdenden Heringen: sofort nachschlagen, bei weichem Boden Sandsäcke oder zusätzliches Gewicht ergänzen.
- Vorbereitung auf Zeltabbau / Rückzug: Bei Stufe 4 wird die Priorisierung der Zelte festgelegt (welche Zelte zuerst abgebaut werden, falls notwendig). Ein nahegelegenes Gebäude (Gemeindesaal, Stall, Schutzhütte) als Notunterkunft wird identifiziert. Transportmöglichkeit für Material und Personen steht bereit. Bei Verschärfung auf Stufe 5 sofortige Umstellung auf Lage Rot.
Lage „Rot“ — MeteoSchweiz-Stufe 5 (sehr grosse Gefahr / Orkan)
- Zelte abbauen oder verlassen: Wenn Zeit bleibt: Grosszelte (Zeltzellendächer, Pavillons) werden abgebaut – diese sind bei Orkanstärke nicht haltbar und werden zur Gefahr durch fliegende Trümmer. Schlafzelte werden nur belassen, wenn diese nach unten abgebaut (nur noch Bodenplane) als Windschutz erhalten bleiben. Sonst: Zelte abbauen, Material sicher verstauen.
- Gebäude aufsuchen: Alle Teilnehmenden verlassen das Lagergelände und begeben sich in ein massives Gebäude (Gemeindesaal, Stall, Schirmlager-hütte). Wenn kein Gebäude verfügbar: windgeschützte Geländemulden aufsuchen, von Bäumen fernbleiben (Sturzgefahr!), Deckung hinter Felsen oder Wällen suchen. Auf keinen Fall in Zelten bleiben – umherfliegende Zeltstangen und -stoffe sind lebensgefährlich.
- Umherfliegende Gegenstände sichern: Alles wird entweder in Fahrzeugen, geschlossenen Kisten oder unter Planen fixiert. Lose Zeltstangen, Heringe und Metallteile werden besonders gesichert – diese können bei Orkanstärke zu Geschossen werden. Fahrzeuge werden nicht unter Bäumen oder Zeltdächern geparkt.
- Personenkontrolle und Notfallbereitschaft: Vollzähligkeitskontrolle an sicherem Ort. Sanitätsverantwortliche*r bereit. Notruf 144 (Sanität) / 117 (Polizei) greifbar. Bei Verletzungen durch umherfliegende Trümmer oder umstürzende Bäume: Erste Hilfe, dann sofort Notruf.
- Lagerabbruch durchführen: Bei Orkanstärke ist das Zeltlager nicht mehr haltbar. Vollständiger Abbruch wird eingeleitet, sobald der Sturm nachlässt und es sicher ist. Alternative Unterkunft in festen Gebäuden organisieren. Eltern/Erziehungsberechtigte informieren. Das Lagergelände wird erst wieder betreten, wenn MeteoSchweiz Entwarnung gibt und Bäume/Äste durch Fachpersonal kontrolliert wurden.
Wichtige Hinweise:
- Zelte sind keine Sturmschutzräume. Ab Windstärke 9 (ca. 75–88 km/h Böen) werden auch fachgerecht abgespannte Zelte kritisch. Bei Orkanstärke sind Zelte eine Gefahr, kein Schutz.
- Bäume sind bei Sturm die grösste Gefahr im Zeltlager – umstürzende Bäume und herabfallende Äste verursachen die meisten Verletzungen. Lagerplätze und Schlafplätze konsequent aus dem Fallradius von Bäumen halten (mindestens Baumlänge + 5 m Abstand).
- Die Windwarnungen von MeteoSchweiz können über die MeteoSchweiz-App oder AlertSwiss tagesaktuell abgerufen werden. Bei Stufe 3–5 empfiehlt sich eine 2-stündige Überprüfung der Vorhersage.
Meteo Schweiz
Gefahren - Legende
Meteo Schweiz - Erläuterungen
Gefahrenstufen Wind
Wind ist die gerichtete Bewegung von Luft. Winde entstehen durch Unterschiede im Luftdruck zwischen unterschiedlich temperierten Luftmassen. Dabei bewegt sich die Luft vom höheren Luftdruck (Hochdruckgebiet) zum tieferen Luftdruck (Tiefdruckgebiet) solange, bis der Luftdruck ausgeglichen ist. In der Schweiz kommen grossflächig am häufigsten Westwind, Bise und Föhn vor.
Die Übergangshöhe zwischen «tiefen und mittleren Lagen» sowie «höheren Lagen» liegt für den Jura und das Flachland der Alpennordseite bei 1000 m ü.M., für die Alpen und die Alpensüdseite bei 1600 m ü.M.
Windwarnungen werden in den Stufen 2 – 5 herausgegeben.
Das bedeutet Gefahrenstufe 2 (mässige Gefahr)
Nicht oder ungenügend befestigte Gegenstände können umstürzen. Kleinere Äste können abbrechen.
Verhaltensempfehlungen
- Vor dem Sturm: Lose Gegenstände im Freien befestigen.
- Wälder, Alleen und baumreiche Gebiete meiden.
Zusätzliche Informationen
- Windspitzen in den tiefen und mittleren Lagen: 70-90 km/h
- Windspitzen in den höheren Lagen: 100-130 km/h
Das bedeutet Gefahrenstufe 3 (erhebliche Gefahr)
Äste können abbrechen und Bäume umstürzen. Einzelne Dächer können beschädigt werden. Leicht befestigte, grossflächige Gegenstände wie Zelte und Baugerüste können umstürzen. Der Strassen-, Schienen-, Wasser- und Luftverkehr kann beeinträchtigt sein. Im Strassenverkehr besteht erhöhte Unfallgefahr durch starken Seitenwind.
Verhaltensempfehlungen
- Wälder, Alleen und baumreiche Gebiete meiden.
- Vor dem Sturm: Lose Gegenstände im Freien befestigen, Sonnenstoren hochziehen
- Keine Aufenthalte auf Dächern, Gebäudekanten oder Felsvorsprüngen.
- Auf herabfallende Gegenstände wie Dachziegel, Äste oder Stromleitungen achten.
- Im Strassenverkehr an exponierten Stellen wie Brücken auf starken Seitenwind achten, langsam fahren und genügend Abstand halten.
- Fahrzeuge wenn möglich nicht im Freien parkieren.
Zusätzliche Informationen
- Windspitzen in den tiefen und mittleren Lagen: 90-110 km/h
- Windspitzen in den höheren Lagen: 130-160 km/h
Das bedeutet Gefahrenstufe 4 (grosse Gefahr)
Äste können abbrechen und Bäume umstürzen. Einzelne Dächer können beschädigt werden. Leicht befestigte, grossflächige Gegenstände wie Zelte oder Baugerüste können umstürzen. Der Strassen-, Schienen-, Wasser- und Luftverkehr kann beeinträchtigt sein. Im Strassenverkehr besteht erhöhte Unfallgefahr durch starken Seitenwind.
Verhaltensempfehlungen
- Wälder, Alleen und baumreiche Gebiete meiden.
- Vor dem Sturm: Lose Gegenstände im Freien befestigen, Sonnenstoren hochziehen.
- Keine Aufenthalte auf Dächern, Gebäudekanten oder Felsvorsprüngen.
- Auf herabfallende Gegenstände wie Dachziegel, Äste oder Stromleitungen achten.
- Keine Schäden an Gebäuden oder Infrastrukturen während des Sturms beheben – erst nach Aufhebung der Sturmwarnung mit Sicherungsmassnahmen beginnen.
- Im Strassenverkehr an exponierten Stellen wie Brücken auf Seitenwind achten, langsam fahren und genügend Abstand halten.
- Fahrzeuge wenn möglich nicht im Freien parkieren.
Zusätzliche Informationen
- Windspitzen in den tiefen und mittleren Lagen: 110-140 km/h
- Windspitzen in den höheren Lagen: 160-200 km/h
Das bedeutet Gefahrenstufe 5 (sehr grosse Gefahr)
Bäume, ganze Baumgruppen oder Waldpartien sowie Leitungsmasten können umstürzen. Gebäude können stark beschädigt werden. Der Strassen-, Schienen-, Wasser- und Luftverkehr kann gestört sein oder vollständig zum Erliegen kommen. Grössere, leere Fahrzeuge können umkippen. Auch fest verankerte, grossflächige Gegenständen wie Zelte oder Baugerüste sowie lose Objekte wie Gartenmöbel können durch den Wind umgestürzt oder fortgetragen werden. An Seen kann es zu grossen Wellen kommen, die über die Ufer treten. Strom- und Telefonverbindungen können grossflächig und über längere Zeit ausfallen.
Verhaltensempfehlungen
- Wälder, Alleen und baumreiche Gebiete meiden.
- Vor dem Sturm: Lose Gegenstände im Freien befestigen, Sonnenstoren hochziehen.
- Keine Aufenthalte auf Dächern, Gebäudekanten oder Felsvorsprüngen.
- Auf herabfallende Gegenstände wie Dachziegel, Äste oder Stromleitungen achten.
- Keine Schäden an Gebäuden oder Infrastrukturen während des Sturms beheben – erst nach Aufhebung der Sturmwarnung mit Sicherungsmassnahmen beginnen.
- Im Strassenverkehr an exponierten Stellen wie Brücken auf Seitenwind achten, langsam fahren und genügend Abstand halten.
- Fahrzeuge wenn möglich nicht im Freien parkieren.
Zusätzliche Informationen
- Windspitzen in den tiefen und mittleren Lagen: >140 km/h
- Windspitzen in den höheren Lagen: >200 km/h




